Armut in Beziehungen

Warum Liebe nicht genug, und Beziehung und Bindung nicht das Gleiche ist.

In einem früheren Beitrag habe ich über die unterschiedlichen Gesichter von Armut geschrieben. Dabei habe ich die Armut in Beziehungen nicht direkt behandelt, sondern von der Verbindungsarmut allgemein gesprochen, die uns in Einsamkeit gefangen hält.

Ich führe viele Gespräche mit Menschen, die sich, obwohl sie Beziehungen führen (egal ob romantische oder andere Beziehungen) einsam oder alleine gelassen fühlen. Sie fühlen sich nicht gehört oder gesehen oder verstanden. Und auch persönlich kenne ich all die unterschiedlichen Emotionen, die hochkommen, wenn wir eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufbauen, aber trotzdem irgendwas fehlt, nur zu gut.

Beziehung ist nicht automatisch Bindung

Nur weil wir sagen, dass wir in Beziehung sind, dass der oder die andere mein Freund, Freundin, Partner/in, Mann oder Frau ist, bedeutet es nicht, dass wir eine tiefe Bindung zum anderen haben. Wir können Jahre und Jahrzehnte mit jemandem in einer Beziehung sein, Dinge gemeinsam tun, sogar zusammen leben, gemeinsam Kinder haben oder zusammen arbeiten, und uns doch einsam, emotional verhungert oder alleine gelassen fühlen, weil wir keine wirkliche Bindung aufgebaut haben, und den anderen oder uns selbst nicht wirklich kennen.

Aber wie bauen wir Bindung und Verbindung konkret auf? Die Antwort zu dieser Frage ist komplex und auch ich bin noch dabei, all die Puzzleteile in der Tiefe zu erforschen, aber hier ist mal ein kleiner Einblick meiner Beobachtungen.

Kommunikation hat viele Ebenen

Was und wie wir kommunizieren – sowohl miteinander als auch mit uns selbst – ist die Grundlage, wenn wir Verbindung aufbauen wollen. Dabei geht es viel tiefer als nur welche Worte, welche Körpersprache und welche Tonalität wir nutzen.

Denn wenn wir eine Ebene tiefer gehen, stellt sich die Frage, welche Intention wir bei jeder einzelnen Interaktion haben, in welcher Emotion wir gerade stecken und ob wir uns dieser bewusst sind, und wie sehr wir sowohl uns selbst, den/die Anderen, als auch die aktuelle Situation so annehmen können, wie sie sind, ohne sie verändern zu wollen.

Dabei geht es auch nicht darum, immer perfekt zu kommunizieren. Ich traue mich zu behaupten, dass das niemand in jeder Situation immer 100%ig „richtig“ hinbekommt. Denn es geht gar nicht um richtig, sondern darum, schrittweise bewusster wahrzunehmen, zu lernen, zu stolpern, zu wachsen, und offen zu sein, auch mal unangenehme Gefühle zu fühlen, die unsere Identifikation mit uns selbst oder unserem Weltbild in Frage stellen.

Erkennen unserer Glaubenssätze, Projektionen und Spiegel

Als ich vor vielen Jahren in meine Heilungsreise eingetaucht bin, habe ich schon früh sowohl von Glaubenssätzen und Projektionen, als auch vom Gesetz der Spiegel (auch bekannt als Gesetz der Anziehung) in Beziehungen gehört. (Bemerkung: Die Bezeichnungen und Definitionen von Glaubenssätzen, Projektionen, Spiegeln und Übertragungen werden je nach Autor und Literatur leicht anders benutzt. Es gibt hier keine einheitliche Definition, der alle zustimmen. Ich bemühe mich in Folge, die Begriffe zu definieren, wie ich sie nutze, um Missverständnisse zu minimieren. Ich erhebe jedoch nicht den Anspruch, dass meine Definition die „richtige“ ist.) Dennoch hat es eine lange Zeit gebraucht, wirklich zu verstehen, worum es dabei geht und wie es funktioniert – und egal wie tief ich tauche, werde ich die Komplexität wahrscheinlich trotzdem nie vollständig erfassen können.

Oft werden Geschichten, Projektionen und das oft spirituell gesehene Gesetz der Spiegel vermischt oder missverstanden, was nicht wirklich hilfreich ist, weil es uns vom Erleben im Moment ablenken kann.

Projektionenen sind…

Jeder Mensch hat über den Lauf seines Lebens eine Vielzahl von Glaubenssätzen gesammelt, die im Grunde Geschichten sind, die wir (meist unbewusst) entschieden haben, und die uns erklären, wie die Welt und die Wesen in ihr funktionieren.

Projektionen sind die Übertragungen dieser Glaubenssätze auf bestimmte Personen oder Situationen. Dabei gibt es sowohl positiv als auch negativ scheinende Projektionen. Aber beide basieren auf Geschichten, die uns davon abhalten, das wahrzunehmen, was gerade da ist.

Denn im Grunde ist es egal, ob es sich um unsere Projektion auf die „Natur“ handelt, und wie wichtig und gut und heilsam sie ist, und wir dadurch die Gefahren, die sie mit sich bringt möglicherweise nicht wahrnehmen können. Oder ob es sich um unsere Projektion handelt, wie gemein und böse und zerstörerisch der andere ist, und wir dadurch nicht erkennen können, welchen Anteil wir an der Situation beigetragen haben. Und auch die Idee, dass an uns etwas falsch oder kaputt ist, ist im Grunde nur das – eine Idee. Eine Geschichte, die wir uns erzählt haben, um Sinn oder Erklärungen dafür zu finden, warum andere Menschen so agieren wie sie agieren.

Was ist dann das Gesetz der Spiegel?

Das Gesetz der Spiegel beschreibt auf energetischer Ebene, dass wir die Menschen oder Situationen scheinbar „anziehen“, die uns unsere tief vergrabenen Geschichten erzählen, wie die Welt funktioniert. Wenn wir also einen tiefen Glaubenssatz haben, dass uns alle Menschen sowieso nur ausnutzen, werden vermehrt solche Menschen in unser Leben treten, damit unser Weltbild intakt bleibt, und wir (meist auch nur teilweise bewusst) „sagen“ können: Ich hab’s ja gewusst.

Ob dies nun ein spirituelles/magisches Gesetz ist (und dadurch entweder unumstößlich oder vollkommener Humbug ist), oder ob es logisch erklärbar ist, dass wir aufgrund unseres unterbewussten Verhaltens oder unserer Körpersprache eine unausgesprochene Einladung aussenden, oder aber es nur Teil unserer Projektion ist, und die Menschen oder Situationen nur in unserer Wahrnehmung so sind, um unsere Glaubenssätze zu bestätigen, sei dahingestellt.

Und jetzt?

Dieses tiefe Erkennen, was Glaubenssätze, Projektionen und das Gesetz der Spiegel wirklich sind, was sie bedeuten und wie wir unsere Wahrnehmung erweitern und unsere Glaubenssätze auflösen können, ist der Kern dafür, wirklich mit meinem Gegenüber in Verbindung zu gehen.

Und sogar der Schritt, zu erkennen, wie unterschiedlich wir die Welt oder ein Thema wahrnehmen, baut Verbindung und dadurch Beziehung auf. Beziehung bedeutet nämlich nicht, immer der gleichen Meinung zu sein, oder die Welt gleich wahrzunehmen. Beziehung heißt viel mehr, zu erkennen, dass mein Blick eben nur meiner ist, und ich ihn erweitern kann. Das bedeutet nicht, dass wir Sichtweisen von anderen aIs unsere akzeptieren müssen, sondern lediglich kennen zu lernen, wie jeder einzelne von uns die Welt völlig anders wahrnimmt. Erst dann können wir einen Schritt tiefer blicken, welche universellen Wahrheiten es gibt, die uns verbinden.

Stille als eines der größten Missverständnisse

Je nach Kultur, Geschlecht oder Sozialisierung hat Stille eine grundlegend unterschiedliche Bedeutung.
Es scheint oft so, dass vor allem Männer Stille oder Schweigen in vielen Kulturen als respektvoll, ehrenhaft, würdevoll oder dergleichen sehen. Und ich kann diese Sichtweise sogar nachvollziehen. Ich habe aber oft den Eindruck, dass Stille und Schweigen grundlegend verwechselt oder falsch verstanden werden.
Schweigen und Stille wirken oberflächlich ähnlich oder sogar fast gleich, könnten aber im Kern unterschiedlicher nicht sein.

Stille ist ein nicht sprechen, aber dennoch da und präsent sein. In der Stille können wir wieder unsere eigene Stimme hören. Sie ermöglicht uns, nicht reaktiv zu kommunizieren, sondern zuerst in unsere Mitte zurückzukehren.

Im Gegensatz dazu ist Schweigen sehr oft ein Aufbauen einer Wand und das Abbrechen von Verbindung. Der eine ist ohne Erklärung einfach plötzlich weg. Das lässt den anderen verwirrt und hilflos zurück. Und gerade für den, der auf das Aufbauen und Pflegen von Verbindung fokussiert ist (was sehr häufig die Frau übernimmt), kann das Schweigen als eine Waffe wahrgenommen werden.

Wir sehen sie manchmal sogar als verletzender als böse Worte, denn böse Worte kommunizieren zumindest noch, dass wir uns Gedanken machen (auch wenn es eine noch so zerstörerische Form der Kommunikation ist, und nicht unbedingt empfehlenswert). Aber Schweigen, ohne dem Aufrechterhalten der Verbindung, kommuniziert eine Gleichgültigkeit und einen Versuch, den eigenen Anteil der Verantwortung an der Beziehung, an den anderen abzugeben, fast schon abzuladen.

Wirkung von Stille und Schweigen

Wenn wir kommunizieren, dass und warum und wann und wie wir in Stille gehen, bleibt die Verbindung intakt, und kann sogar zu einer Vertiefung der Verbindung führen. Damit weiß der andere, was gerade los ist, und kann entsprechend den Raum der Stille mit halten. Dann hilft sie uns, all das wahrzunehmen, was feiner im Hintergrund abläuft.

Wenn wir aber einfach nur Schweigen, ohne Erklärung, kann es alles bedeuten, und löst im besten Fall ein „ah, okay, dann halt nicht“, im schlimmsten Fall aber den Schmerz einer tiefen Wunde beim anderen aus.
Das kann das Gefühl des Verlassen seins und der damit verbundenen Angst ums Überleben sein, oder der Schmerz und die Angst, etwas falsch gemacht zu haben (oder sogar falsch zu sein) und deshalb nicht mehr geliebt zu werden. Und es gibt wahrscheinlich noch unzählige weitere Wunden und damit verbundene Ängste, die meist in der frühen Kindheit entstanden sind, und durch das Schweigen des anderen ausgelöst werden.

Im ersten Schritt ist es also für beide Seiten wichtig, zu erkennen, ob es sich um Stille oder um Schweigen handelt, um dann entsprechend reagieren zu können.

Wenn beide die Verbindung aufrecht erhalten wollen, braucht es hier ein gegenseitiges Kennenlernen, wie der Andere die Welt wahrnimmt, und eine offene Kommunikation, wie man gemeinsam damit umgehen, und jeder dem anderen einen Schritt entgegen kommen kann.

Liebe ist nicht genug

Liebe ist wahrscheinlich das Wort, das am Meisten zu Missverständnissen führt, weil es viel zu oft falsch oder nicht passend genutzt wird. Und es braucht ein Menschenleben und darüber hinaus, um auch nur ansatzweise alle Ebenen von Liebe wirklich zu sehen, zu spüren, zu fühlen und wirklich vollständig zu erfassen.

Der Hirnforscher Gerald Hüther definiert sie so: „Liebe ist das bedingungslose Interesse an der Entfaltung des/der Geliebten.“ Sobald wir aber einen Plan haben, wie der andere sein soll, ist es nicht mehr Liebe. Das ist leicht gesagt, und doch ganz schön schwer im Detail umgesetzt.

Wenn ich sage „Liebe ist nicht genug“, beziehe ich mich direkt auf die zuvor erwähnten Puzzleteile. Wenn wir für jemanden starke Gefühle der Anziehung empfinden, ist das noch keine Liebe. Und wenn wir das große Geschenk bekommen haben, zu spühren, vom anderen wirklich gesehen und angenommen zu werden, und das selbe auch dem anderen geben zu können, dann ist dieses Gefühl alleine noch lange nicht ausreichend, dass eine Beziehung funktioniert.

Es braucht ein stetiges tiefer eintauchen und erkennen unserer eigenen Projektionen auf die Welt, darauf, wie Beziehungen sein sollten, darauf, was wir von einer Beziehung wollen und glauben zu brauchen, und darauf, wer die andere Person ist oder für uns sein soll. Nur so können wir den anderen auch wirklich voll ständig sehen lernen und so annehmen, wie er oder sie ist, damit wir sie am besten bei ihrer Entfaltung unterstützen können. Und das braucht viel Zeit, Geduld und Verständnis.

Heraus aus der Armut in Beziehungen

All das mag dir zum Teil längst bekannt sein. Vielleicht habe ich es auch im Grunde nur für mich selbst geschrieben, um ein paar der Puzzleteile zusammen zu finden.

Vor kurzem habe ich uralte Tagebücher von mir als Teenager gelesen, und erkannt, wie einsam ich mich damals gefühlt habe. Ohne jemanden zu haben, wo ich mich sicher gefühlt habe, zu teilen wie es mir geht, und vom anderen zu hören, wie es ihm geht, war ich völlig losgelöst von der Welt um mich herum. Alles fühlte sich gefährlich an, und ich war scheinbar die einzige, die mit gewissen Dingen ein Problem hatte.
Erst als ich wieder neuen Mut gefasst hatte, mich jemandem zu öffnen, konnte Licht in mein Leben strömen und ich hatte den wichtigen ersten Schritt aus der Armut in Beziehungen gemacht.

Aber aus dieser Form der Armut heraus braucht es extrem viel Mut, Geduld und Durchhaltevermögen. Und was ich aktuell auch gerade lernen darf: Es braucht für eine gute Beziehung immer mehr als zwei Personen. Es braucht anderen Leute, die einem helfen, neue Perspektiven zu erkennen oder aus dem Tunnelblick herauszukommen. Es braucht ein Umfeld, das nicht den einen als Täter und den anderen als Opfer abstempelt, sondern auch die verletzten kleinen Kinder dahinter sehen kann.

Und es braucht Menschen, die als Übersetzer für die Weltsicht des anderen dienen, falls es die beiden nicht alleine schaffen. Vieles kann durch Freunde abgedeckt werden. Oft braucht es aber auch jemanden wie etwa Therapeuten, Älteste oder spirituelle Heiler, der nicht im System mit beteiligt sind, und völlig neutral agieren, und neue Werkzeuge liefern können, wie wir tiefer, offener oder mit mehr Vertrauen Bindung in Beziehungen aufbauen können.

Armut in Beziehungen
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Elisabeth Demeter

Wenn du das Gefühl hast, dass du diesen Weg nicht alleine gehen möchtest oder kannst, wende dich gerne an mich. Ich unterstütze Menschen, die sich verloren und hilflos fühlen, dabei, durch die Verbindung mit der Natur, Körperbewusstsein und einen systemischen Ansatz ihre innere Stimme wiederzufinden und ihr zu folgen. Wenn das mit dir resoniert, melde dich bei mir (), und wir schauen gemeinsam, ob ich dich in irgendeiner Weise unterstützen kann – entweder selbst oder indem ich dich an jemanden weiterverweise, der besser zu dir passt.

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