Selbstbestimmung durch innere Arbeit und äußeres Handeln
Vive la Resistance


Selbstbestimmung durch innere Arbeit und äußeres Handeln

Wie wir Armut anders betrachten und neu definieren können
Auch wenn ich es als Kind manchmal glaubte, war ich nie wirklich finanziell arm. Dadurch hatte ich auch das Privileg, eine umfangreiche Ausbildung zu genießen. Dass ich aber in anderen Bereich verarmt war, hatte ich lange Zeit gar nicht begriffen. Erst schön langsam erkenne ich die unterschiedlichen Gesichter und Formen von Armut, und was sie für Auswirkungen haben. Und dass das Fehlen von etwas und das Haben von etwas anderem nicht automatisch das GefühI auslöst, arm oder reich zu sein.

„Was? Du führst mehrere Stunden täglich Gespräche mit Leuten, die auf der ganzen Welt verteilt sind?“ – Diese Worte eines guten Freundes haben mich nicht losgelassen. Auch wenn es Teil meiner Arbeit ist, wusste ich, dass ich mich mal wieder in einer Sackgasse des Lebens verlaufen hatte. Ich war im Grunde 24/7 erreichbar, und die Folgen dessen waren sichtbar. Deshalb hatte ich direkt nach Weihnachten spontan beschlossen, nach längerer Zeit mal wieder „offline“ zu gehen. Ich wollte zumindest einen Tag lang für andere nicht erreichbar sein und auch niemanden erreichen können.

"Es braucht mehr starke Frauen-zeigt euch". Das oder so ähnlich war ein Beitrag auf Threads von Maxim Mankevich vor einiger Zeit. Eigentlich mit guter Intention, Frauen unterstützen zu wollen. Sollte man(n) meinen. Und ja, es war definitiv gut gemeint, und dennoch treten auch hier immer mehr Nuancen auf.

Seit 2018 bin ich Selbständig. Wirklich so fühlen tue ich mich aber erst seit wahrscheinlich 1-2 Jahren. Und seitdem erkenne ich auch langsam immer mehr, wie meine Begeisterung, mit der ich ursprünglich in die Sache hineingegangen bin gestorben ist in dem Moment, wo ich etwas draus machen wollte. Wo es nicht mehr ausgereicht hat, dass ich Freude daran hab, etwas zu tun, sondern wo es einem Zweck dienen sollte. Wo es Geld machen sollte. Wo es potentielle Kunden anziehen sollte. Kurz, wo ich es nicht mehr für mich gemacht habe.

Als Schriftstellerin, vor allem als eher unerfahrene Schriftstellerin, frage ich mich ständig: Was weiß ich eigentlich, worüber ich schreiben kann? Vor allem das Zitat "Schreibe, was du weißt", das ich irgendwie stark mit dem Film "Never been kissed" verbinde, führt mich tiefer in diese Frage.

"Wie kann ich jemals jemandem vertrauen, wenn ich betrogen worden bin?" Das ist eine Frage, die wir uns alle irgendwann im Leben stellen. Entweder bewusst oder unbewusst. Und wie ich beobachtet habe, hat diese Frage viele verschiedene Facetten.

Viele Menschen, speziell im non-profit Bereich, verbinden mit Profit eigentlich eine Menge negativer Dinge. Wir setzen dann Profit oft automatisch mit Ausbeutung gleich. Aber vielleicht ist es an der Zeit, das zu ändern. Und dann können wir immer noch entscheiden, ob wir eine "für den guten Zweck" (for purpose) oder eine "für Werte" oder "für was auch immer" Organisation haben, aber dann steigen wir zumindest mal aus der Negativpendelbewegung aus.

Wir alle kennen diese Menschen, sowohl in den sozialen Medien als auch im wirklichen Leben, die so tun, als hätten sie alles auf der Reihe. Sie scheinen alles zu haben. Sie scheinen glücklich zu sein. Sie scheinen etwas Besonderes zu sein. Sie scheinen nie Fehler zu machen. Und ich hasse diese Menschen! Aus tiefstem Herzen!

Ist es produktiv, sich die Zeit zu nehmen, eine frische Mahlzeit zu kochen? Ist es produktiv, sehr langsam und umständlich zu handwerken? Ist es produktiv, aus dem Fenster zu starren und meine Gedanken schweifen zu lassen? - Nun, all diese Tätigkeiten habe ich bisher als unproduktiv eingestuft und bin dabei, das jetzt zu ändern.