Frosty, mein Gefriertrockner

Nicht jeder, der Frosty heißt, muss ein Schneemann sein.

„Oh cool, du hast einen Gefriertrockner! Ich hab mir auch schon über legt, mir einen Dörner oder einen Gefriertrockner zu kaufen!“ – Das oder ähnliches war eine häufige Antwort auf meinen „Familienzuwachs“, den ich auf den Impuls einer Freundin „Frosty“ genannt habe.

In den USA/Kanada ist dieses Gerät schon wesentlich weiter verbreitet – vor allem auch wahrscheinlich wegen der großen Prepper-Szene -, aber in Europa – ist es zumindest im Heimgebrauch noch nicht sonderlich bekannt. Meine Vermutung ist, dass es vor allem aufgrund der Größe und des Preises ist. Beides hat die meisten Leute sehr überrascht – mich eingeschlossen.

Nenn‘ ihn nicht Dörrer!

Auch wenn das Gefriertrocknen auch eine Form des Haltbarmachen durch trocknen ist, unterscheidet es sich sowohl im Prozess als auch im Endprodukt signifikant voneinander. Beim Dörren wird – ganz simpel erklärt – durch niedrige Hitze langsam die Flüssigkeit entzogen. Dabei schrumpelt das Produkt ein und verändert meist auch die Farbe. Je nach Frucht und Methode bleibt es oft trotzdem noch weich und biegsam.

Beim Gefriertrocknen wird zuerst das Produkt auf eine sehr tiefe Temperatur (mind. -30°C) heruntergekühlt, und dann ein Vakuum erzeugt, das irgendwie die Flüssigkeit entzieht. Danach wird dann das Produkt – was auch immer man trocknen will – auf niedriger Hitze getrocknet. Ich habe den Prozess noch immer nicht zu 100 Prozent verstanden, und möchte hier daher keine Halbwahrheiten verbreiten, aber das ist im großen und Ganzen der Vorgang. Danach hat das Produkt in den meisten Fällen die gleiche Form und Farbe wie im frischen Zustand, aber kann in vielen Fällen einfach zerbröselt werden, so trocken ist es.

Vor- und Nachteile

Auch wenn Gefriertrocknen in manchen Kreisen als das non-plus-ultra dargestellt wird, weil man die Lebensmittel potentiell bis zu 25 Jahre lagern kann, kann ich schon jetzt nach ein paar Wochen, in denen ich ihn nun nutze, auch einige Nachteile erkennen.

Sauerstoff-Sensibilität

Da das gefriergetrocknete Endprodukt absolut trocken ist, muss man besonders gut darauf achten, dass es nicht zu lange an der Luft ist und Sauerstoff ausgesetzt ist. Sobald es die Feuchtigkeit der Luft aufnimmt, wird es schnell weich und verliert dadurch schneller die Haltbarkeit.

Außerdem ist es dann als Snack nicht mehr zu gebrauchen, weil es den „crunch“- Faktor verloren hat. Re-hydrieren sollte aber noch möglich sein. Genauere Zeitangaben und Informationen muss ich erst noch durch Tests erheben.

Laut und Heiß

Außerdem ist der Gefriertrockner im Vergleich zum Dörrer viel lauter und gibt extrem viel Wärme in den Raum ab. Da ich die meisten Früchte jedoch in einer Jahreszeit trocknen werde, wo es auch draußen warm ist, muss ich mir vor allem für den Sommer eine geeignete Form der Raumkühlung überlegen.

Stromverbrauch

Oft wird auch der hohe Stromverbrauch als Nachteil angegeben. Und es stimmt, dass der Gefriertrockner mehr Strom braucht als ein Dörrautomat. Je nach Automat kann das um die Hälfte mehr bis zu dreifach so viel sein.

Dafür läuft der Gefriertrockner möglicherweise etwas kürzer. Meine bisherigen Tests etwa mit Spargel waren bei einer Gesamtlaufzeit von durchschnittlich etwa 20 Stunden. Dörrautomaten – speziell bei Produkten, die wie der Spargel sehr viel Wasser enthalten – können hier durchaus 48 Stunden oder länger laufen. Da ich aber keinen direkten Vergleich gemacht habe, sind das zum aktuellen Zeitpunkt reine Vermutungen.

Gleichzeitig ist es immer die Frage, womit wir etwas vergleichen. Wenn wir etwa einen elektrischen Heizstrahler nutzen, um im Winter unseren Wohnraum zu heizen, braucht der Gefriertrockner je nach Stärke des Heizstrahler, ein bisschen bis viel weniger Strom. Es ist also alles relativ…

Alles? – Fast alles.

Im Gegensatz zum Dörrautomat kann so gut wie alles gefriertrocknet werden. Nicht nur Obst und Gemüse, sondern auch Suppen, Milch, Fleisch, vollständige Mahlzeiten und vieles mehr. Nur fettiges und Honig sind nicht geeignet, und verursachen potentiell eine Menge unnötige Probleme.

Rehydrieren macht fast wie neu

Auch wenn ich noch wenig Erfahrung mit Rehydrieren habe, und somit nur über meine bisherigen Recherchen sprechen kann, soll es möglich sein, so ziemlich alle Lebensmittel wieder mit Wasser „aufzuladen“ und dann soll es genauso schmecken wie frisch. Hierzu fehlt mir noch die Erfahrung, aber es birgt viel Potential.

Preis und Größe

Wie schon zu Beginn erwähnt, sind vor allem Preis und Größe sehr überraschend für die meisten. Wo Dörrautomaten teilweise bei 30€ beginnen und vielleicht bis zu 200€ oder ähnliches gehen können, beginnt der kleinste Gefriertrockner bei etwa 3.000€ und steigt dann in Tausenderschritten bis 8.000€ an, wenn wir größere Modelle haben wollen.

Und was die Größe angeht: Dörner sind in etwa so groß wie Mikrowellen oder etwas größer. Der kleinste Gefriertrockner (das Modell, das ich habe) ist in etwa so groß wie eine Waschmaschine, und hat dann noch die Vakuumpumpe daneben stehen, die auch nochmal die Größe eines kleinen Mistkübels hat.

Will ich das wirklich?

Wer gerne gefriergetrocknete Produkte wie Erdbeeren, Himbeeren etc. oder auch fertiges Essen zum Wandern mag, hat sich sicher schon oft gefragt, warum das so viel teurer ist, als einfach nur getrocknet. Nach all diesen Informationen wird es zumindest mir immer klarer, warum dem so ist.

Ich habe definitiv lange überlegt, ob ich so ein Gerät wirklich will. Da ich es aber nicht nur für den Eigengebrauch nutze, sondern auch sowohl anderen gegen Miete zur Verfügung stelle (aktuell nur auf Anfrage), als auch eigene Produkte zum Verkauf erzeugen werde, sollte sich meine Investition früher oder später dann doch rentieren.

Mein erstes Fazit, nachdem ich Frosty nun seit etwa einem Monat bei mir habe, und gerade der fünfte Durchgang läuft, ist: Ein echt cooles – wenn auch teures – Spielzeug mit viel Potential. Ich hab aber auch noch viel zu lernen, und es könnte auch viel Aufwand umsonst sein wenn ich Fehler bei der Lagerung mache…

Frosty, mein Gefriertrockner
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Elisabeth Demeter

Wenn du das Gefühl hast, dass du es nicht alleine machen möchtest oder kannst, wende dich gerne an mich. Ich unterstütze Menschen, die sich verloren und hilflos fühlen, dabei, durch die Verbindung mit der Natur, Körperbewusstsein und einen systemischen Ansatz ihre innere Stimme wiederzufinden und ihr zu folgen. Wenn das mit dir resoniert, melde dich bei mir (), und wir schauen gemeinsam, ob ich dich in irgendeiner Weise unterstützen kann – entweder selbst oder indem ich dich an jemanden weiterverweise, der besser zu dir passt.

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