Bei all den Aussagen zum „Herzensbusiness“ hören wir oft, dass wir das, was wir richtig gerne tun zu unserem Beruf oder Business machen sollen. Diese Botschaft ist jedoch mit sehr viel Vorsicht zu genießen. Aber warum?
Die Geschichte der Kekse
Vor kurzem hatte ein guter Freund von mir die Idee, ich könnte doch Kekse backen und am Wochenmarkt die nächsten Monate vor Weihnachten verkaufen und vielleicht noch darüber hinaus. Die Idee entstand durch seine Beobachtung, dass ich recht gut backen kann, und er auch meine Begeisterung beim Backen mitbekommen hatte.
Ich fand die Idee spannend und ohne allzu viel Risiko umsetzbar, also machte ich mich dran für den nächsten regionalen Markt eine kleine Menge zu backen, um auszutesten, wie es wohl ankommt. Ich musste mich um sonst nichts weiter kümmern, da besagter Freund bereits einen Stand bei diesem Markt hatte, und mir angeboten hatte, die Kekse dort zu verkaufen.
Tiefe Prozesse
Dieses Experiment hat jedoch unerwartet tiefe innere Prozesse über Professionalität, Qualität, Angst und inneren Druck in mir ausgelöst . Die Prozesse haben mich nicht abgeschreckt, da meiner Erfahrung nach so gut wie alle Dinge, die uns wichtig sind, auch seine Herausforderungen mit sich bringen.
Auch das Verkaufen am Markt hat mein Nervensystem weit aus meiner Komfortzone katapultiert. Aber die Kekse kamen gut an, und es war ein kleines Highlight, direktes Feedback für mein Produkt in Form von Bargeld zu erhalten.
Ich machte also weiter, obwohl so einiges an Stress beim Backen und Vorbereiten da war, den ich davor natürlich nicht hatte. Aber es war auch Begeisterung mit dabei, und Neugierde, Neues auszuprobieren und zu schauen, wie ich mein Produkt und meinen Prozess verbessern konnte.
Austausch mit anderen
Beim nächsten Markt hatten wir beim Verkaufen und Präsentieren einiges optimiert, und ich konnte mich beim Markt auch mit anderen Produzentinnen unterhalten und austauschen. Sowohl über Preisgestaltung als auch über Verpackung, Businessaufbau beim Verkauf von Produkten auf Märkten, und deren persönliche Erfahrungen, was funktioniert.
Dieser Austausch war extrem wertvoll, da es mir ermöglichte, mir meinen eigenen Weg in etwa vorstellen zu können, und was alles tatsächlich notwendig ist, um dieses Hobby zum Beruf zu machen.
Alle Wege offen lassen
Ein Teil von mir war durch diese Erfahrungen am Markt schon voll in der Aktion und ging in die Planung, Recherche und Kalkulationen. Der Plan war, beim nächsten Markt eine wesentlich größere Menge zu produzieren, und eventuell auch eine zweite Sorte zu testen. Ich hatte außerdem erkannt, dass ich nur bei einem bestimmten Markt anbieten möchte, wo deren Besucher mein Produkt mehr wertschätzten und wo ich auch einen nachhaltigeren Preis verlangen konnte.
Die Begeisterung war groß, da ich dachte, meinen perfekten Weg gefunden zu haben, mein Hobby zum (Teil-)Beruf zu machen, ohne dabei in den zu Beginn aufgetretenen Stress zu geraten. Aber irgendwie war die Motivation verschwunden. Ich musste mich fast schon dazu zwingen, die Kekse rechtzeitig fertig zu bekommen. Und es wurden auch gar nicht so viel mehr als die Male davor.
Auch da war klar, dass ich tief in mich hinein hören musste und vor allem die Gedanken und Gefühle nicht zu bewerten.
Die Ursache der Freude
Bei dieser Reflexion wurde mir klar, dass die Freude beim Backen nicht nur aufgrund der Tätigkeit aufkam, sondern auch durch der Vorstellung, meinen Freunden oder meiner Familie eine Freude zu machen. Dieser Teil war durch das Verkaufen fast vollständig weggefallen.
Außerdem war die Begeisterung, danach auch weiterhin für meine Freunde zu backen stark gesunken.
Ich hatte mein Hobby zum Beruf gemacht, und es als Hobby verloren.
Hobby oder Berufung
Wenn es also heißt: „Tu was du liebst und du arbeitest keinen einzigen Tag deines Lebens“ ist es wichtig zu erkennen, dass es einen Unterschied gibt zwischen Hobby und Berufung.
Das eine machen wir aus einer inneren Freude heraus. Das andere bringt nicht nur Freude sondern ein inneres Feuer mit sich, dass, wenn wir tagelang und wochenlang fast ohne Pause daran arbeiten, unsere Begeisterung dafür immer weiter wächst, und wir darin immer weiter eintauchen.
Letzteres ist bei der Aussage „Tu was du liebst…“ gemeint. Es ist das, wofür dein Herz brennt, und das sich anfühlt als wäre es genau die Aufgabe, für die wir auf dieser Welt gelandet sind.
Und die Kekse?
Ich werde weiterhin Kekse und andere Dinge für liebe Menschen in meinem Leben backen. Vielleicht mach ich sogar hie und da mehr und verkaufe sie. Aber dieses Hobby darf nicht zu meinem Beruf werden. Denn es würde jegliche Freude dafür auf Dauer vertreiben. Und das ist nicht der Sinn eines Herzensbusiness.
