Die letzten Tage war ich gefangen in einer Blase. Alles hat sich schwer angefühlt. Ich konnte nicht mehr spüren, warum ich mir all den Aufwand eigentlich antue. Die kleinste Aufgabe hat mir unendlich viel Energie gekostet. Ich wollte mich einfach nur verkriechen und aufgeben.
Und jetzt, fast von einer Minute auf die andere, seh ich es plötzlich wieder. Merke ich wieder, dass die Sonne scheint, und wie viel Freude das Leben bringen kann. Keine Ahnung, wie lange es anhält, aber darum geht es auch nicht.
Ich kenne diese Phasen der Sinnlosigkeit sehr gut. Manchmal dauern sie Tage und Wochen, manchmal auch nur ein paar Stunden. Aber was sie alle gemeinsam haben ist, dass meine Gedanken mir was vorspielen, das nicht existiert. Ich weiß inzwischen sehr gut, dass es nur ein Trick ist, mich in meinem Selbstmitleid zu suhlen. Ich weiß zwar nicht wirklich, wem in meinem inneren System so ein Zustand hilft, aber ich weiß, dass es vorbei geht. Ich weiß, dass ich es nicht allzu ernst nehmen muss. Und ich weiß, dass ich meinen Fokus einfach auf etwas anderes legen muss, um wieder aus diesem Sinnlos-Karusell auszusteigen.
Und all dieses Wissen verhindert es dennoch nicht, dass ich immer wieder trotzdem in diese Phasen eintauche. Es hilft mir aber, etwas schneller wieder auszusteigen.
Gedanken ernst nehmen oder nicht?
Ich frag mich dann auch immer wieder, was ich mit meinen Gedanken in diesen Situationen machen soll. Ich weiß, dass sie dazu da sind, mich in diesem Gefühl gefangen zu halten. Und dass sie nicht wahr sind. Aber ich merke dennoch, dass ich zumindest die Stimmung schon auch ernst nehmen muss. Sie sagt mir irgendwas. In den meisten Fällen kommuniziert sie mir, dass ich irgendwo über meine Grenzen gegangen bin, oder dass ich ein bestimmtes Bedürfnis nicht befriedigt habe.
Gleichzeitig dürfen wir die Stimmung aber auch nicht zu ernst nehmen, da sie uns nicht dabei hilft, irgendetwas zu verändern oder zu verbessern. Sie hält uns in dieser Mitleids-Starre, dieser Opferhaltung fest, in der es keinen Ausweg zu geben scheint.
Der Weg hinaus
Es scheint, als gäbe es gleichzeitig keinen Weg hinaus und überall Wege. Bei mir war es noch jedesmal so, dass ein Wort, eine kleine Handlung oder ein Gedanke mich wieder daran erinnert hat, im Hier und Jetzt zu sein, und plötzlich war dieses dunkle, schwere Gefühl wie weggeblasen.
Diesmal war es ein kurzes Gespräch, in dem ich daran erinnert wurde, wie viel Magie in der wilden Natur zu finden ist, und wie sehr wir nur die Augen dafür öffnen müssen. Andere Male war es ein Erkennen, welche Geschenke ich in Form von wunderbaren Freundschaften mit lieben Menschen in meinem Leben habe.
Jegliche Form von Dankbarkeit kann uns aus diesem Strudel herausbringen. Wobei es sehr oft viel einfacher ist, wenn wir diese in Interaktion mit anderen Menschen erleben können, und nicht einfach nur selbst für uns herholen versuchen.
Das Geschenk der Schwere
Ich schreibe diese Zeilen im Grunde fast Minuten nachdem ich aus dieser letzten Schwere wieder ausgetreten bin, und merke, dass es mir nicht leicht fällt, diese Schwere zu betrachten, ohne wieder reinkippen zu wollen. Und dennoch bringt sie auch ihre Geschenke mit.
Wenn wir mittendrin sind, zwingt sie uns dazu, Dinge langsamer anzugehen. Sie zwingt uns, zu reflektieren, wo wir uns vielleicht zu wenig um gewisse Bedürfnisse gekümmert haben, oder über unsere Grenzen gegangen sind. Sie zwingt uns auch, uns mit dem Gefühl auseinander zu setzen, wer wir sind, wenn wir nichts aktiv beitragen, und unserem eigenen Wunschbild nicht entsprechen. Denn auch mit diesen Gefühlen gilt es, Frieden zu schließen.
Und wenn wir dann aus diesem Loch wieder herausklettern, gibt es uns das Geschenk, zu erkennen, was wir alles bereits in unserem Leben haben, und oft gar nicht sehen oder wertschätzen können. Es erinnert uns außerdem daran, dass wir stärker sind, als wir manchmal glauben, und dass es extrem wichtig ist, dran zu bleiben und nicht aufzugeben, wenn es gerade schwer oder dunkel ist. Denn der nächste Tag mit Sonnenschein wird kommen. Auch wenn es noch so unwahrscheinlich wirkt in dem Moment.
Verbindung mit der natürlichen Welt
Gerade in Situationen wie diesen kann es äußerst hilfreich sein, wenn wir davor Erfahrungen – beispielsweise in der Natur – gesammelt haben, wo wir mit unserem ganzen Körper, Geist und Seele erlebt haben, dass wir in einem Moment vor lauter Verzweiflung keinen Ausweg mehr sehen, und dann passiert eine minimal scheinende Veränderung, und plötzlich ist der Weg wieder absolut klar.
Wenn du jedoch so eine Situation bisher noch nicht erlebt hast, lade ich dich hiermit auf ein Experiment ein. Was, wenn das für dich auch möglich wäre? Dann wäre genau diese Situation das beste Feld für dich, dich in dieses Vertrauen hineinfallen zu lassen, dass der Impuls kommen wird, und du aus dem Sinnlos-Karusell aussteigen kannst. Und wenn du es einmal geschafft hast, dann wirst du es auch immer wieder schaffen.
Wenn du jedoch immer noch das Gefühl hast, dass du Hilfe brauchst, um aus deinem Loch herauszukommen, in das du gefallen bist, kannst du dich an mich oder einen anderen Lebensberater, Psychotherapeuten oder Coach wenden, bei dem du dich wohlfühlst. Dafür sind wir da.
