Herausforderungen von Selbst-Quarantäne

Nachdem mehr und mehr Staaten oder Regionen völlig abgeschlossen werden, schwebt die Frage der Selbst-Quarantäne noch viel stärker in vielen unserer Köpfe. In Theorie ist es ganz einfach:

Wenn ich mich krank fühle, muss ich mich von allen um mich herum distanzieren. Wenn ich eine davor abgeschlossene Gemeinschaft, die als “gesund“ gilt besuche, sollte ich mich selbst im Idealfall für 14 Tage in Quarantäne begeben, bevor ich Kontakt zu diesen Menschen habe. Alles sehr klar und logisch.

Aber wir sind alle menschlich und nicht perfekt.

Ich lebte an der Teaching Drum Outdoor School, die eine recht abgeschiedene Gemeinschaft ist, und die ein Jahresprogramm begleiten, wo eine Gruppe von Menschen nah mit der Natur verbunden leben, ohne Kontakt nach Aussen. Um die Menschen im Jahresprogramm keinem Krankheits-Risiko auszusetzen, gelten sehr klare und strenge Quarantäne-Richtlinien. Sie hatten diese bereits lange vor Covid-19, und auch für nicht lebensbedrohliche Krankheiten.

Da sie jede Art der Krankheit sehr ernst nahmen, war ich sehr vorsichtig und fast schon ängstlich bei jeder kleinsten gesundheitlichen Veränderung. Das brachte mich jedoch zu einem emotional herausfordernden Dilemma, als sich erste Anzeichen einer Erkältung bei mir zeigten.

Quarantäne-Protokoll

Das Protokoll sieht vor, dass man bereits bei den ersten Vermutungen von Krankheit das Level 1 der Richtlinien berücksichtigt. Das beinhaltete, dass ich die Distanze zu anderen wahren musste, keine Türknöpfe oder ähnliches berühren durfte, nicht Teil des gemeinsamen Abendessens-Rituals war, wo wir unseren Teller in die Runde schicken, und auch nicht zur gleichen Zeit wie andere, oder für die Gemeinschaft kochen durfte.

Diese doch eigentlich sehr kleinen Anpassungen und Veränderungen haben eine innere Wunde in mir ausgelöst. Die Wunde, dass ich keine Last für andere sein, und keinen zusätzlichen Aufwand für andere erschaffen will. Außerdem fühlte ich mich geächtet, isoliert, anders, und in Verlegenheit gebracht. Daher wollte ich dieses Gefühl natürlich um jeden Preis vermeiden.

Gleichzeitig habe ich mir aber auch vorgestellt, wie ich mich fühlen würde, wenn ich dann tatsächlich krank werden würde, und andere wegen mir ebenfalls diese Krankheit bekommen würden, und vielleicht sogar schlimmer davon betroffen waren als ich. Und mit der Vorstellung über die Scham und Peinlichkeit, die mit dieser Situation einhergehen würde, konnte ich meine Optionen von beiden Seiten informiert abwägen, und habe es geschafft, eine verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen:

Selbst-Quarantäne

Und ich wurde dabei von der Gemeinschaft unterstützt, gehalten und konne es erleben, wie es sich anfühlt, trotzdem Teil der Gemeinschaft zu sein, auch wenn ich in Quarantäne war.

Kultur als Basis

Das war eine sehr wichtige Lektion für mich, und sie hat mir gezeigt, wie wichtig die Kultur in solchen Situationen ist. In welcher Art von Kultur möchten wir leben? Eine, die Menschen dafür bestraft, wenn sie aufstehen und das Richtige tun indem sie sich selbst in Quarantäne begeben? Bestrafen wir sie, indem wir sie ausgrenzen, ignorieren und in der Kälte stehen lassen ohne jegliche Unterstütztung? Oder bauen wir eine Kultur, wo wir für unsere verantwortungsvollen Handlungen gewürdigt und anerkannt werden? Wo es einen Dienst gibt – vielleicht sogar finanziert und unterstützt von der eigenen Regierung – der denen, die es am dringendsten brauchen, hilft und sie in dieser schweren Zeit unterstützt?

Was brauchst du gerade am dringendsten? Wo benötigst du Unterstützung?

Es sollte kein Gefühl von Scham auslösen, zu sagen was du brauchst und nach Hilfe zu fragen. Dieses Mal könnte dein Leben oder deine mentale Gesundheit auf dem Spiel stehen!

Außerdem geht es nicht darum, dass wir zeigen wie gut wir alles alleine schaffen. Das ist keine Tugend! Das ist nur das Ego, das Angst hat, zu zeigen, dass wir menschlich sind.

Bedürfnisse

Wir sind soziale Tiere, und auch wenn die einzig wahre Vorkehrungsmaßnahme die soziale Distanzierung ist, können wir trotzdem Wege finden, wie wir unsere Bedürfnisse nähren können. Und speziell in außergewöhnlichen Situationen ist es wichtig, nicht bei der Qualität unseres Lebens ZU starke Einschränkungen zu machen.

“Z’tod gfircht is a gsturbn” ist dabei eine sehr passende Redewendung. Lasst uns also eine gute Balance finden, wo wir in jeder Situation – egal welches Level an selbst- oder fremd-bestimmter Quarantäne wir uns befinden, wir es uns immer noch gemütlich machen, und die Freude in jedem Moment finden können. Und auch nicht aus Angst, geächtet zu werden, gewisse Dinge Tun oder nicht tun (etwa zur Arbeit gehen, Mundschutz tragen, Handschuhe tragen, etc.)

Wie gehst du mit schwierigen Themen um? Kannst du schambesetzte Themen in deinem Umkreis ansprechen? Wenn du dabei Unterstützung brauchst, kannst du dich gerne bei mir melden: elisabeth@followyourwildheart.org

Herausforderungen von Selbst-Quarantäne
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