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Vor einiger Zeit hat mir ein Freund von einer interessanten Methode erzählt, wie man Kinder aufwachsen lassen kann, die von der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler entwickelt wurde. Eines der Hauptprinzipien dieser Methode ist es, Kindern nicht zu „helfen“, in Positionen oder an Orte zu gelangen, die sie alleine noch nicht erreichen würden. Das bedeutet zum Beispiel, dass wenn man ein Baby in eine sitzende Position bringt, bevor es sich selbst aufsetzen kann, wird es sich unsicher fühlen, und nicht wissen, wie es aus dieser Position wieder herauskommt und wahrscheinlich Stress empfinden. Wenn man aber Geduld hat, bis sich das Baby selbst aufsetzen kann, wird es viel stabiler und selbstsicherer sein, und sich stolz fühlen, weil es eine Herausforderung angenommen und erfolgreich bewältigt hat.

Diese Information hat mich dazu gebracht, darüber nachzudenken wie in der heutigen Gesellschaft Erfahrungen gemacht werden, und wie sie von natürlichen Kreisläufen völlig losgelöst sind. Wenn man unterschiedlichen Berichten und dem generellen Gefühl glauben möchte, entwickeln immer mehr Menschen unterschiedliche psychische „Krankheiten“ wie das ominöse ADHS, aber auch klinische Depression und wer weiß was noch alles. Könnte es sein, dass wir nicht wirklich wissen, wie man Ziele ohne negativem Stress erreicht, nachdem wir die Herausforderung angenommen haben, und dadurch wir immer mehr in Stress versetzt werden, und zumindest teilweise uns das Gefühl des Stolzes verwährt wird, wenn man das Ziel dann auch erreicht hat? Und dass daraus dann sich gewisse „Nebenwirkungen“ ergeben? – Wobei ja ADHS da vielleicht in eine ganz andere Richtung schlägt.. Aber darüber schreibe ich ein anderes mal…

Außerdem lernen und erfahren nicht sehr viele Menschen in der westlichen Gesellschaft, wo unser Essen herkommt, und was da alles mitspielt. Wir sehen Bilder und Filme, haben vielleicht sogar ein paar Kräuter am Fensterbrett stehen, oder sogar kleine Tomatenpflanzen. Aber uns fehlen so viele Schritte zwischen dem wie die Nahrungsmittel entstehen und dem Zeitpunkt, wenn sie auf unserem Teller landen. Diese Beziehung ist wahrscheinlich besonders zerrissen, wenn es sich um Fleisch/totes Tier handelt, aber das würde den Beitrag hier gerade sprengen. So wie ich es sehe, könnte das zumindest einer der Gründe sein, warum wir als Gesellschaft und sehr oft als einzelner so eine verzerrte Sicht und Beziehung und Gefühl zu unserem Essen haben.

Das gleiche stimmt auch für das Zurücklegen von größeren Entfernungen. Die meisten von uns haben kein richtiges Gefühl dafür, was Distanz eigentlich bedeutet, weil wir (wahrscheinlich) noch nie den Weg zur Arbeit gegangen sind, der mit dem Zug/der U-Bahn nur 20 Minuten dauert, zu Fuß aber mehrere Stunden dauern würde. Und da rede ich noch gar nicht von den Distanzen, die wir mit dem Flieger zurücklegen. Deshalb haben nicht viele Menschen ein realistisches Verständnis, wie viel Energie notwendig ist, damit wir öffentliche Verkehrsmittel, Autos, Flugzeuge etc. nutzen können.

Ist es also wirklich eine Überraschung, dass wir mehr konsumieren als wir uns leisten können (wenn man die Menschen und die Natur in anderen Ländern oder unsere nächsten Generationen mit einbezieht)? So wie ich es sehe, liegt das Problem darin, dass wir nicht wirklich die Zusammenhänge verstehen können, weil wir sie nie wirklich erfahren haben…

Zusammenhänge verstehen
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