Reflexion: 2 Jahre Leben im neuen Tiny House

Bald sind es schon 2 Jahre her, dass ich in mein neues Tiny House eingezogen bin. Eigentlich noch immer eine Baustelle, weil ich kein Badezimmer habe, und der geplante Zubau erst jetzt so richtig anläuft. Dennoch nehme ich mir jetzt endlich mal die Zeit zu einer ersten Reflexion.

Upgrade

Mein erstes Tiny House war ein Baucontainer, den ich innen selbst ausgebaut hatte. Das ist inzwischen etwa 9 Jahre her. Auch damals bin ich im Winter – wenn auch etwas später im Jahr – eingezogen. Es gab keinen Holzofen, nur einen elektrischen Heizstrahler, so gut wie keine Isolierung oder Masse, kein fließendes Wasser, und nur begrenzt Strom. Außerdem war ich gefühlt in einem Schattenloch gefangen. Im Sommer zwar angenehm, aber im Winter recht unangenehm.
Und jetzt? Mein jetziges Zuhause ist etwa doppelt so groß (~22m2 statt 14), aus Holz und Stroh, Es steht auf einem Hang nach Süden, mit einer großen Glasfront und viel Aussicht und Sonne. Drinnen ist ein wunderbarer Holzofen, ich hab Wasseranschluss und ausreichend Strom. Zusätzlich bin ich durch die Obstbäume des Nachbargartens reich beschenkt.

Beobachtungen

Was mir in diesen ersten zwei Jahren als größter Unterschied aufgefallen ist, war die Isolierung, Masse, Sonneneinstrahlung und generell die Wärmequellen. Es macht für mich so einen großen Unterschied für das innere Wohlbefinden, ob ich nun einen ständig ratternden elektrischen Heizstrahler nutze, der sehr schnell viel Wärme abgibt, aber gleichzeitig trotzdem kaum den Raum heizen kann, oder ob da ein Holzofen ist, der vor sich hin knistert. Ja, beim anzünden passiert es noch öfter, dass das ganze Haus geräuchert wird. Und ich muss immer präsent und in Verbindung mit dem Feuer sein, damit ich nicht vergesse, nachzulegen.
Aber das sind genau genommen für mich keine Nach- sondern Vorteile. Die südseitige Glasfront erlaubt mir außerdem, dass ich ohnehin viel weniger heizen muss als die meisten. Im Sommer war es zwar eine Herausforderung, nicht in der Sauna zu schmoren, aber auch dabei hab ich viel gelernt und so einige Ideen gesammelt, was ich beim Zubau berücksichtigen möchte.

Unerwartete Glücksmomente

Da der Bau und die Nutzung eigentlich etwas anders geplant war, hatte ich die Möglichkeit, mit praktisch keinerlei Erwartungen in mein neues Zuhause einzuziehen. Dadurch war ich nochmal offener dafür, all die Geschenke als solche zu erkennen, die mir seitdem widerfahren sind. Ich durfte Feldhasen, Spechte, Störche, Kohlmeisen und viele weitere wilde Besucher auf meinem natürlichen Breitbild-Fernseher hautnah
beobachten. Ich durfte so einige liebe Menschen einladen und willkommen heißen. Ich durfte das erste Mal in meinem Leben wirklich das Gefühl wahrnehmen, ein Zuhause
zu haben, wo ich zu 100% so sein darf wie ich bin. Wo ich all meine wilden Seiten ausleben darf. Wo ich täglich daran erinnert wurde, dass ich – auch wenn ich durch die Wände noch ein Stück weit von der Natur abgetrennt bin, ihr immer näher
komme. Und dass ich durch dieses stabile Zuhause nun ohne Sorgen noch einen Schritt weiter in die Wildnis wagen kann, wohl wissend, dass ich in ein sicheres Zuhause zurück kann. Auch wenn ich genau weiß dass „draußen“ mein wahres Zuhause auf mich wartet, weiß ich, dass ich im Notfall hier in meine Komfortzone zurückkommen kann.

Herausforderungen und Vertrauen

Unser Zuhause ist immer ein Projekt in Wandlung. Dennoch hätte ich mir nicht gedacht, dass es so schwierig werden wird, einen Zimmerer zu finden, der so ein relativ kleines Spezialprojekt tatsächlich machen möchte. Mein Vertrauen, dass alles zur rechten Zeit und genauso passiert wie es soll, hat mir dann aber recht gegeben.
Und jetzt darf der Zubau mit genau den Leuten passieren, die auch schon beim ursprünglichen Haus mitgewirkt haben.

Was die Zukunft bringt..

.. wird sich noch alles zeigen. Immer wieder fügt sich ein weiteres Puzzleteil hinzu. Auch wenn mein Haus noch nicht mal fertig gebaut ist, sind die Leitungen und sonstigen Vorbereitungen für das zweite und dritte Haus bereits teilweise umgesetzt. Langsam und stetig darf das Grundstück sich wandeln und zu einem Ort des Seins werden.
Ein Ort, wo nicht nur ich, sondern auch andere Tiny House Menschen und Natur sein und leben kann. Wo nicht nur mein kleines Haus, sondern das ganze Grundstück zu einem Ort wird, wo die Menschen so angenommen werden wie sie sind. Wo alles da sein darf. Wo wir wieder zu uns selbst, zu unserer Essenz zurückfinden. In und mit der Natur die uns umgibt.

Zusammenfassend gesagt…

Dieses wunderbare kleine Haus – wenn auch etwas größer ist als viele Tiny Houses – hat mir ein ganz neues Leben eröffnet. Für jeden Menschen zu jedem Zeitpunkt im Leben braucht es unterschiedliche Ebenen an Komfort. Und ich bin dankbar für meine Zeit im Container.
Aber dieses letzte Jahr hat mir gezeigt, wie sehr ich im größten Luxus leben kann. Ja, ich werde meine Komfortzone weiterhin herausfordern, und ausprobieren, mit wie viel weniger ich auch glücklich und zufrieden sein kann.
Ich weiß aber jetzt, dass alles was über mein jetziges Zuhause hinausgeht, mich nicht glücklicher, möglicherweise sogar weniger glücklich machen wird. Und, dass es zumindest genauso wichtig ist, in welcher Umgebung dieses Haus steht, und welche Beziehung ich sowohl zu dem Haus als auch der Umgebung aufbaue.

Reflexion: 2 Jahre Leben im neuen Tiny House
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